Die Katzen vom Schrottplatz

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Ein Schrottplatz in Köln-Gremberg, so wie es sie wohl zu Hunderten in Deutschland gibt. An der Grundstücksgrenze entlang der Odenwaldstr. erstreckt sich eine lange Reihe von Garagen. Auch das ist nichts Außergewöhnliches. Eine aber ist anders:

Dort fällt auf dem Dach ein kleines Häuschen auf. Bei näherem Hinsehen erkennt man, dass es sich hierbei um ein Katzenhaus handelt, ausgestattet mit allem, was die Katze braucht. Hinter dem Gebäude, auf dem Schrottplatz hört man plötzlich einen lauten Pfiff.Aus allen Richtungen laufen Katzen herbei, versammeln sich um den „Herbergsvater„ Josef Weinbach und folgen ihm in sein Mechanikerparadies. Folgt man der Gruppe ebenfalls, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Garage ist natürlich ausgestattet mit allem was der Autoschrauber so braucht. Alles piksauber, man hat den Eindruck als könne man hier vom Schraubenschlüssel essen. Aber was haben Kratzbäume, Teppiche, Schälchen mit Futter und Wasser an einem solchen Ort zu suchen? Die Antwort ist einfach: Derzeit werden hier 15 Katzen aufgepäppelt. Josef Weinbach: „Die Tiere sind hier früher wild, verwahrlost und abgemagert umhergestrichen. Ich will aber, dass die Tierchen es hier gut haben; sonst kümmert sich doch keiner um sie.“ Selbstverständlich bietet die Garage auch Möglichkeiten, die es den Katzen erlauben, sie jederzeit betreten zu können. Des Nachts ist klassische Musik selbstverständlich. „Kühe geben bei Musikberieselung ja auch mehr Milch. Warum sollen Katzen sich dabei nicht auch wohlfühlen“ meint Herr Weinbach. Ins Tierheim will Josef Weinbach die Katzen nicht bringen: „Ich will die Tiere in ihrer Umgebung belassen, die sie sich ja selber ausgesucht haben. Wenn ich den Eindruck habe, dass es keine wirklichen Freigänger sind oder sie hier nicht zu Recht kommen, vermittele ich auch schon mal das eine oder andere Tier. Manchmal finden sich auch Katzenbabys bei mir ein, die ebenfalls vermittelt werden“. Woher die Katzenkinder kommen ist nicht bekannt. Die geschlechtsreifen Tiere werden von Josef Weinbach schließlich zum Tierarzt gebracht um sie kastrieren oder sterilisieren zu lassen. Das alles ist natürlich ein teures Hobby. „Da kommen im Monat für Futter und Tierarztkosten schon mal ein paar hundert Euro zusammen“ klagt Josef Weinbach.
Kürzlich wurde eines der Tiere angefahren und musste operiert werden. Die Kosten von 500 € bleiben beim Katzenvater hängen, obwohl der Kater die Tätowierung eines Katzenschutzvereins trägt. Sowohl der Verein als auch die Tierheime in der Umgebung haben bei der Frage nach einer Kostenbeteiligung abgewinkt. „Weil ich mich um die Katzen kümmere ist alles andere auch mein Bier – dann muss ich eben damit leben“ Der Rekonvaleszent genießt nach seiner Operation eine Sonderbehandlung in der Wohnung und entwickelt sich zu einem verschmusten Prachtkater. „Das ist dann der Lohn für meinen Einsatz„ meint Josef Weinbach und zählt nach, ob auch alle Katzen wieder da sind.

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