Anwohnerdiskussion Schrottplätze und Fliegenplage

Wirtschaftliche Interessen der Schrottplätze wichtiger als Lebensqualität der Anwohner

Anwohner diskutierten mit Bezirksbürgermeister und Umweltamt

Nachdem die IG Humboldt Gremberg und der Kölner EXPRESS Beiträge zur Fliegenplage in Köln – Gremberg veröffentlicht hatten, versammelten sich trotz der für Arbeitnehmer etwas  ungünstigen Zeit ca. 100 Betroffene am 30.06.2017 um 15:00 Uhr vor den Häusern Odenwaldstr. 114-116 um von Herrn Bezirksbürgermeister Marco Pagano und dem Umweltamt der Stadt Köln zu erfahren wie es denn nun in Sachen Schrottplätze weitergehen soll. Die ortsansässigen „Recyclingbetriebe“ werden von den Anwohnern nicht nur als Verursacher der aktuellen Fliegenplage angesehen sondern auch für andere umweltbelastende Belastungen wie Staub, Dreck, und Lärm verantwortlich gemacht.

v.l.n.r.: Peter Peterlini (Vors. der IG), Marco Pagano (Bezirksbürgermeister), Konrad Peschen (Leiter Umweltamt Köln), Herr Hullmann (Umweltamt)

Während der Diskussion mussten sich die Vertreter aus Politik und Verwaltung vielen kritischen Fragen der Anwohner stellen. Elternvertreter der in unmittelbarer Nähre des Schrottplatzes gelegene Grundschule und des Kindergartens berichteten, dass eine vernünftige Einnahme der Mahlzeiten wegen der Fliegenplage kaum noch möglich sei. Andere Betroffene berichteten, dass eine Nutzung von Balkonen und Terrassen nicht mehr möglich ist. Grillen im Freien sei unmöglich und die Zubereitung von warmen Mahlzeiten in der Küche würde zur Tortur. Das Lüften von Textilien im Freien sei vollkommen sinnlos, weil die Wäsche nach der Lüftung auf Grund des Staubniederschlags direkt wieder in die Waschmaschine muss.
Die Anwohner kämpfen zusammen mit der IG bereits seit mehr als 10 Jahren für eine Verlagerung der in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung gelegenen Betriebe. Heftig kritisiert wurde in diesem Zusammenhang, dass bis heute immer noch keine nachhaltige Lösung des Problems abzusehen sei. Zwar seien bereits einige kleine Verbesserungen erreicht worden, die jedoch bei Weitem nicht zur einer umfassenden Problemlösung beitrügen.
Alteingesessene Anwohner berichteten von der schleichenden Erweiterung des

Großes Interesse bei den Betroffenen zum Thema Schrottplätze in Gremberg

Betriebsgeländes und fragten nach den dazu erteilten Genehmigungen. Neu hinzugezogene Anwohner bedauerten bereits nach Gremberg gezogen zu sein. Mehrere Anwohner äußerten ihr Unverständnis darüber, dass seit diesem Jahr auch die AWB den Betrieb als Umschlagplatz für ihre Papierabfälle benutzt. Dies laufe den Interessen der Anwohner zuwider.
Der Leiter des Umweltamtes, Herr Peschen berichtete, dass der Firma MK bereits mehre alternative Standorte vorgeschlagen worden seien, die aber von dem Unternehmen aus wirtschaftlichen Erwägungen zurückgewiesen worden seien. Diese Aussage erzürnte viele Diskussionsteilnehmer. Schließlich seien für die Kölner Oper und 570 Millionen kein Problem und die Verlagerung des riesigen Schrottplatzes in Deutz und die damit verbundene Standortverlegung der Aumühle sei auch bereits in trockenen Tüchern. Für eine finanzielle Hilfe zur Verlagerung der Gremberger Schrottbetriebe seien jedoch keine finanziellen Mittel vorhanden. Im Übrigen hätten auch die Grundstücks- und Wohnungseigentümer in Gremberg durchaus ein wirtschaftliches Interesse an der Werterhaltung ihres Eigentums.
Viele Anwohner könnten sich durchaus eine anspruchsvolle Wohnbebauung oder eine Erweiterung des RTZ (Rechtsrheinisches Technologiezentrum) vorstellen. Gerade in Anbetracht der aktuellen Wohnungssituation in Köln mangele es an geeigneten Baugrundstücken. Die durch eine Verlagerung freiwerdenden Grundstücke würden sich für eine Wohnbebauung anbieten.

Anwohner diskutierten mit dem Bezirksbürgermeister und Vertretern der Stadt Köln

Herr Bezirksbürgermeister Pagano berichtete über den schwierigen Stand des Stadtbezirks Kalk im gesamtstädtischen Vergleich. Der Stadtbezirk Kalk mit seinen immerhin 120.000 Einwohnern sei größer als so manche Großstadt, habe aber nicht das entsprechende politische Gewicht. Hieran gelte es zu arbeiten. Er sagte den Anwohnern seine Unterstützung im Kampf um ein lebenswertes Umfeld zu. Er werde mit allen betroffenen Ämtern und politischen Vertretern Lösungsvorschläge erarbeiten, die dann auf einer Veranstaltung Ende September 2017 mit den Anwohnern diskutiert werden sollen. Ein Bebauungsplan sei bereits von der Bezirksvertretung verabschiedet worden. Etwas enttäuscht zeigte er sich darüber dass nur Herr Fardad Hooghoughi von der FDP an dieser Veranstaltung teilgenommen hat, um sich über die Situation vor Ort zu informieren.Die Kölnische Rundschau und die WDR-Lokalzeit waren bei dem Termin anwesend und werden demnächst berichten. Bedauerlicherweise war wieder einmal, so wie auch bei der Veranstaltung zum Thema „Sicherheit im Veedel“ der Kölner Stadtanzeiger nicht vor Ort.

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